Abendsonne

Gestern stapfte ich stur,
Über Winters weite Flur.
Meine Seele trieb mich an,
Gefangen selbst im Winterbann.


Auf der Spur von Hase und Reh,
Unbeirrt, trotz Eises Weh.
Atemfetzen verlieren sich bald
Flüchtig zart im Winterwald.


Allein, um zu sehen die Abendsonne,
Feuerrote flammende Wonne,
Schneewehen in Scharlach getaucht,
Den Wald gülden angehaucht.


Ich sah den Wald sich verneigen
In schwarzem Reisigreigen.
Weiße Schwingen verbeugten sich,
Kältegrau ewigem Feuer wich.


Eisiges Rot hat mich umgarnt,
Schneidende Kälte mich umarmt.
Mit Macht kommt eine Müdigkeit
Die mir verspricht Unendlichkeit.


Wer will nicht verharren ewig,
Bei diesem Anblick lächelnd, selig?
Einatmen solch feuriges Rot,
Das streichelt in des Lebens Not.


Die Arme streckt` ich ihr entgegen,
Empfing der Abendsonne Segen.
Wärme! Sie erhörte mein Flehen,
Brauchte nicht mehr weiter gehen.

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